Schon Neandertaler schmückten sich

Halsketten und anderer Schmuck lassen den “Körper wachsen”. Diese von der französischen Vorgeschichtswissenschaftlerin Yvette Taborin beschriebene Erfahrung machten Menschen erstmals vor 40000 bis 30000 Jahren. Für die Entwicklung des Individualitätsbewußtseins spielte sie eine große Rolle. Die aus Knochen, Elfenbein, Hirschgeweih oder weichem Gestein gefertigten Perlen stellten auch so etwas wie symbolische Codes dar, eine andere Form von Sprache.

Funde zeigen, dass auch die meist als primitiv beschriebenen Neandertaler Schmuck fertigten. Sie durchbohrten Zähne und Knochen, um sie aufzuhängen, oder versahen sie mit Kerben. Besonders beliebt waren die Eckzähne des Polarfuchses.

Allerdings waren die aus Afrika eingewanderten Neueuropäer den in mancher Beziehung durchaus ebenbürtigen Neandertalern in der Entwicklung dieser Symbolwelt offenbar überlegen. Ein höchst eindrucksvolles Zeugnis ihres Schmuckbewußtseins bietet ein in Russland entdecktes Grab. Auf den Umhang und die Fellmütze eines Toten waren 3000 Perlen aus Mammut-Elfenbein aufgenäht. Einen anderen Toten schmückte ein Gürtel mit 250 Polarfuchszähnen.

Quelle: nach Rudolf Grimm (dpa) in Weser-Kurier 10. Mai 2003

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